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Starke Einbrüche bei den Krebs-Früherkennungsuntersuchungen

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 21.10.2021 / 17:20 Uhr von mz/pm
Im „Pandemie-Jahr“ 2020 kam es in Sachsen-Anhalt zu starken Einbrüchen bei den Krebs-Früherkennungsuntersuchungen. Das teilte die AOK Sachsen-Anhalt mit. Vor allem in der ersten Pandemiewelle im Frühjahr 2020 waren starke Rückgänge bei der Früherkennung von Hautkrebs (minus 26 Prozent im 1. Quartal 2020 gegenüber 2019) zu verzeichnen. Bundesweit lag die Zahl im selben Zeitraum bei minus 23 Prozent.

Die WIdO-Auswertung zeigt für das Jahr 2020 auch beim Mammografie-Screening, der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs sowie bei der Prostatakrebs-Früherkennung Rückgänge der Teilnahmequoten gegenüber dem Vorjahr von jeweils rund 5 Prozent. 

Lediglich bei den Koloskopien zur Früherkennung von Darmkrebs war trotz Rückgängen in der ersten Pandemiewelle in der Jahresbilanz sogar ein leichter Anstieg von 2 Prozent festzustellen. „Hier wäre der Anstieg ohne die Pandemie sicher noch höher ausgefallen, denn seit Anfang 2019 können Männer schon ab 50 statt ab 55 Jahren an der Vorsorge teilnehmen. Zudem werden seit Mitte 2019 Anspruchsberechtigte per Anschreiben von ihrer Krankenkasse zu dieser Vorsorge eingeladen“, erläutert Kay Nitschke, Leiter ärztliche Versorgung bei der AOK Sachsen-Anhalt, die Ergebnisse. Wenn man neben den Früherkennungs-Koloskopien auch alle diagnostischen Darmspiegelungen im ambulanten und stationären Bereich in die Betrachtung einbeziehe, ergebe sich aber im Jahr 2020 insgesamt ein Rückgang von 7,8 Prozent gegenüber dem Jahr 2019. 

Ausgebliebene Diagnostik lässt schwerere Erkrankungen und mehr Tote befürchten 

Diese ausgebliebene Diagnostik in der Pandemie dürfte nach Einschätzung der Experten gesundheitliche Folgen haben, wenn Tumore erst später erkannt werden. Darauf deutet auch eine aktuelle WIdO-Analyse zur Entwicklung der Darm- und Brustkrebsoperationen hin. Die Auswertung der AOK-Abrechnungsdaten aus den Kliniken zeigt im gesamten Pandemie-Zeitraum von März 2020 bis Juli 2021 bundesweit einen Rückgang der Darmkrebs-Operationen von 13 Prozent gegenüber 2019. Bei den Brustkrebs-OPs ist ein Rückgang von 4 Prozent zu verzeichnen. „Mittelfristig könnte sich dies in einem größeren Anteil höherer Schweregrade bei den Erkrankungen zeigen und auf die Sterblichkeit auswirken“, erläutert Nitschke. 

Langzeit-Auswertung: Sachsen-Anhalt hinkt bei Krebs-Früherkennung hinterher 

Eine Langzeit-Auswertung für die Jahre 2009 bis 2020 macht zudem deutlich, dass es bei der regelmäßigen Teilnahme an den Krebs-Früherkennungsuntersuchungen schon vor der Pandemie „Luft nach oben“ gab. „Sie zeigt, dass die Teilnahmeraten bei allen Untersuchungen zur Krebs-Früherkennung erhöht werden sollten“, sagt Nitschke. 

Das gelte vor allem für Sachsen-Anhalt, das im bundesweiten Vergleich oft hinterherhinke. So wurden in den vergangenen zehn Jahren nur 35 Prozent der Frauen und 32 Prozent der Männer ab 65 von der Darmkrebsfrüherkennung erreicht. Bundesweit waren es 45 bei den Frauen und 41 Prozent bei den Männern. 

Auch bei der Prostatakrebs-Früherkennung wurden die anspruchsberechtigten Männer insgesamt zu selten oder zu spät erreicht: So nahmen in der Altersgruppe zwischen 54 und 70 nur knapp 25 Prozent der Männer in mindestens drei der vergangenen zehn Jahre an der Früherkennung teil. Eine niedrigere Quote gab es nur in Berlin, Saarland und Brandenburg. Beim Hautkrebs-Screening nahmen in Sachsen-Anhalt 8 Prozent der Männer (bundesweit: 13 Prozent) und 10 Prozent der Frauen (bundesweit: 16 Prozent) zwischen 45 und 70 Jahren im betrachteten Zehn-Jahres-Zeitraum die Früherkennung mindestens vier Mal in Anspruch. 

Besser sieht es bei der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs aus, die auf Bundesniveau liegt: 81 Prozent der Frauen in Sachsen-Anhalt zwischen 29 und 40 haben den Empfehlungen entsprechend in mindestens drei von zehn Jahren an der Vorsorge teilgenommen. „Diese Früherkennung ist eine Erfolgsgeschichte. Vor der Einführung 1971 war der Gebärmutterhalskrebs mit bundesweit 16.000 Neuerkrankungen pro Jahr der häufigste bösartige Tumor bei jungen Frauen, inzwischen konnte die Neuerkrankungs-Zahl auf 4.600 Fälle reduziert werden“, so Nitschke. 

Auch beim Mammographie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs, das in Deutschland schon seit 2009 flächendeckend umgesetzt wird, sind recht hohe Teilnahmequoten zu verzeichnen: Nur ein Viertel der anspruchsberechtigen Frauen nahm im betrachteten Zeitraum nicht teil.

Bilder

Kay Nitschke, Leiter ärztliche Versorgung bei der AOK Sachsen-Anhalt. Foto: Mahler / AOK Sachsen-Anhalt
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