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Linienbus verunglückt: Großübung mit rund 100 Beteiligten

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Stadtgeschehen

Erstellt: 16.09.2020 / 10:01 von rp/pm

Es war die größte Übung der Schnellen Einsatz Gruppe (SEG) des DRK-Rettungsdienstes seit zehn Jahren. 55 Rettungsassistenten, Notfallsanitäter und Auszubildenden im DRK-Rettungsdienst sowie fünf Notärzte und 29 Feuerwehrmitglieder nahmen neben 30 Mimen, die als Verletzte fungierten, an der Übung teil. Ein Jahr danach erfolgte nun die fachliche Auswertung durch den Leiter der Landesrettungsschule in Magdeburg, Andreas Krebs.

„Hut ab, an den Rettungsdienst und den Landkreis so eine Übung durchzuführen. Im Nachhinein ein großes Lob an alle Beteiligten. Nach zehn Jahren at hoc eine hyperrealistische Übung zu fahren ist eine Leistung“, begann Andreas Krebs seine Auswertung der SEG-Übung, die an Reflexionen und Kritik nicht sparte. Das Szenario: Ein Linienbus ist verunfallt und auf die Seite gestürzt.

Es gibt 30 Verletzte. „Ein durchaus realistisches Unfallbild, dessen wir im Landkreis statistisch längst überfällig sind“, konstatiert dann auch der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes und Leitender Notarzt Dr. Karsten Beyer. Darum ging es auch in der angeführten Agenda der Auswertung. Neben dem Übungsszenario standen der Einsatz des in der Feuerwehrtechnischen Zentrale vorgehaltenen Behandlungsplatzes 50 (BHP50) und der Übungsablauf auf der Liste.

Gerade bei Letzterem zeigte Krebs die positiven und verbesserungswürdigen Dinge auf, um am Ende ein Fazit für die Zukunft zu ziehen.

Zunächst fiel dem Leiter der Landesrettungsschule in Magdeburg, der die gesamte Übung zur besseren Auswertung aufzeichnete, die Kennzeichnung der Verletzten auf. Hier macht er den Vorschlag statt farbiger Bändchen an den Handgelenken die Patienten an der Patientenablage mit nummerierten Verletztenanhängekarten zu versehen, um eine schnellere Behandlung am Behandlungsplatz gewährleisten zu können.

Diese Karten, so Krebs, könnten erste Untersuchungsergebnisse beinhalten. Auch auf die Sichtung und Erstversorgung von Verletzten im Schadensgebiet, also im Bus, kam Krebs zu sprechen. Für ihn zeigte sich hierbei, dass mögliche Gefahren wie auslaufende Betriebsstoffe keine Berücksichtigung bei der Erstsichtung der Verletzten fanden. Dies war für Dr. Beyer allerdings weniger relevant. Er erklärte: Die Erstsichtung führt der leitende Notarzt (LNA) durch. Er muss sich zeitnah einen Überblick verschaffen, wer sofort behandelt und entsprechend gerettet werden muss.

Als gute Möglichkeit, die vom LNA durchgeführte Triage, also die Kategorisierung der Verletzten von leicht verletzt bis hin zu Verletzungen, die mit dem Leben nicht vereinbar sind, auch für die weiteren Rettungskräfte erkennbar zu machen, nannte Krebs die verwendeten Armbänder.

Durch sie konnte nicht nur festgestellt werden, ob ein Verletzter bereits vom LNA gesichtet wurde, sie machten auch visuell erkennbar, ob es sich um Leicht- oder Schwerverletzte handelte. Für Krebs stand aber auch fest: „Wenn die Verletzten aus dem Schadensgebiet zur Patientenablage verbracht wurden, wäre ein Durchtrennen der Bänder und ersetzen durch Patientenkarten sinnvoller gewesen.

Organisatorisch neue Impulse setzen

Neben der Versorgung und Behandlung der Verletzten widmete sich Andreas Krebs auch den organisatorischen Strukturen. So sah er im Fehlen einer eigenen Befehlsstelle für die Einsatzleitung des Rettungsdienstes ein Problem, das sich während der Übung darin zeigte, dass der LNA viel zu nah am Einsatzgeschehen war. Dadurch fehlten den Einsatzleitern der anderen Rettungsorganisationen wie der Feuerwehr feste Anlaufstellen und Ansprechpartner.

Dr. Karsten Beyer erklärte den Umstand, dass der LNA selbst Aufgaben des Rettungsdienstpersonals übernahm, mit fehlendem Personal. Krebs lies diese Argumentation nicht gelten. Für ihn kann die Sichtung von Verletzten auch durch einen vor Ort befindlichen Notfallsanitäter durchgeführt werden.

Damit stand die Frage um Raum: Wenn der LNA sichtet und behandelt, wer führt dann?

„Eine Führung nebenbei funktioniert nicht“, so Krebs
Zumal er die Position eines Führungsassistenten ins Spiel brachte, die bei der Großübung nicht vorhanden war. Laut Krebs könne dieser das Einsatztagebuch führen und den Funk für den LNA übernehmen, um Freiräume für die Führungsarbeit zu schaffen. „Führungskräfte sind oft der Meinung, sie müssten mitarbeiten“, konstatierte Krebs.

Am Ende blieb die Erkenntnis, dass der Rettungsdienst einen eigenen Einsatzleitwagen (ELW), also eine fahrende Kommandozentrale benötige, um seine Führungs- und Organisationsaufgaben patientengerecht durchführen zu können. „Der Rettungsdienst braucht ein Fahrzeug als mobile Befehlsstelle“, erklärte Beyer.

Überrascht von Realitätsnähe

Damit kam der Leiter der Landesrettungsschule in Magdeburg zu beobachteten positiven Aspekten. Zu denen gehörte für ihn vor allem die reelle Abfrage eines Mitarbeiters in der Leitstelle bei den umliegenden Krankenhäusern. „Zu wissen, wie viele Patienten ein Krankenhaus momentan tatsächlich aufnehmen könnte, ist ein wichtiger Punkt, um auch den zeitnahen Abtransport vom Behandlungsplatz gewährleisten zu können. Das war echt genial“, so Krebs.

Ebenso positiv sah Krebs die räumliche Trennung der Verletzten nach Schwere ihrer Verletzungen über die Einrichtung von drei Verletztensammelstellen. „Durch die zusätzliche Sichttrennung durch Aufstellen von Rettungswagen waren keine Verletzungsmuster für andere sichtbar. Das ist gut“, beschrieb Krebs seinen positiven Eindruck.

Anhand von kleinen Filmen zeigte er den Anwesenden, was trotz dieser Maßnahme weiterhin bedacht werden muss. „Ab einem bestimmten Zeitpunkt in der Übung befand sich alles medizinische Gerät an den Verletztensammelstellen und nichts mehr am Behandlungsplatz. Der öffnete, obwohl er noch nicht ausgestattet war. Hier fehlte eindeutig die Führungsebene, die eine bessere Kommunikation zwischen Verletztensammelstellen, Organisationsleiter und dem Abschnittsleiter des Behandlungsplatzes hätte herstellen müssen. So wäre auch der Stau von Patienten, der sich am Behandlungsplatz kurzzeitig bildete, aufgelöst worden“, erläuterte Krebs.

Erkenntnisse übernehmen

Die in der Auswertung erhaltenen Erkenntnisse sollen nun in das Konzept zur Vorgehensweise bei einem Massenanfall von Verletzten (MANV-Konzept) einfließen. Dazu gehört auch die Aufnahme eines Einsatzleitwagens. „Dass das Fehlen eines ELW bei solchen Lagen ungünstig ist, hat uns die Übung deutlich gezeigt“, erklärt dazu der Leiter des DRK-Rettungsdienstes, Jörg Stumpf.

„Vor allem das Ressourcenmanagement, die Einsatzführung und die Sichtungs- und Behandlungszeiten werden wir zukünftig in regelmäßigen Planspielübungen trainiert“, hieß es abschließend von seinem Stellvertreter, Christian Lux.

Darüber hinaus soll die Kommunikation mit den Fachabteilungen der Feuerwehr intensiviert werden. Dies auch deshalb, weil der Aufbau des BHP50 regelmäßig geübt werden muss. Damit kommt der Rettungsdienst einer Bitte der Feuerwehren nach, die explizit um eine engere Zusammenarbeit gebeten haben, wie Christian Schulz, Sachbearbeiter Katastrophenschutz Landkreis Jerichower Land, mitteilte.

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Bilder


  • Foto: Christian Luckau / DRK-MDJL

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