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„Es war die Hölle“ ehemalige Jugendwerkhof Insassen kamen zurück nach Burg

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Stadtgeschehen

Erstellt: 05.06.2016 / 18:16 von mz

Er ehemalige Jugendwerkhof in Burg hat eine sehr bewegende Geschichte hinter sich. Er war der größte seiner Art in der damaligen DDR. Ständig waren zwischen 1949 und 1989 dort rund 300 Jugendliche untergebracht. Sie wurden aus ganz unterschiedlichen Gründen von den damaligen Behörden eingewiesen. Um die Vergangenheit aufzuarbreiten, treffen sich jedes Jahr die ehemaligen Insassen auf Gut Lüben. Ein Ort, an dem die Frauen und Männer die schwerste Zeit ihres Lebens durchgemacht haben.

Einer von ihnen ist der heute 62-jährige Volkmar Jenig aus Leipzig. Er ist in einem Berliner Kinderheim groß geworden. Oft ist er dort abgehauen sagt er. Die genauen Gründe für seine Einweisung in den Jugendwerkhof Burg möchte er nicht nennen. Der engagierte Leipziger organisiert das jährliche Treffen, der Ehemaligen.

Diskussionen um Heimfonds
Bei Kaffee und Kuchen treffen sich die ehemaligen Insassen jedes Jahr, um das Erlebte gemeinsam zu verarbeiten. Gestern, gleich zu Beginn des gestrigen Treffens wurde heftig diskutiert. Paul Kindermann beschwerte sich, dass bei dem vergangenen Treffen 2015 nicht richtig in Sachen Heimfonds von einer Referatsmitarbeiterin des Sozialministeriums Sachsen-Anhalt informiert wurde. Konkret ging es um die Nachfrist. Das es diese Möglichkeit gegeben hatte, darüber wurde wohl nicht informiert, kritisierte Kindermann.

Dem entgegnete aber Torsten Ehms aus Sömmerda, ein ehemaliger Insasse des Jugendwerkhofes. „Ich hatte einen wunderbaren E-Mail Kontakt mit der zuständigen Mitarbeiterin des Amtes. Sie kümmert sich. Sie ist auch nur ein Mensch.“ Aus dem Heimfonds konnten ehemalige Insassen von 2012- 2015 pro Person bis zu 10.000 Euro Entschädigung für ihre Zeit im Jugendwerkhof einfordern.

Doch das entschädigt wohl kaum die Zeit, die hier viele Jugendliche verbracht haben. Weil er in Englisch eine 1 hatte und in Russisch eine 5 stand Torsten Ehms unter Beobachtung der DDR-Funktionäre. Sein nicht sozialdemokratisches Denken und die Verweigerung in die FDJ einzutreten, brachte Torsten Ehms in den Jugendwerkhof „August Bebel“ nach Burg. Doch die schreckliche Zeit, hat am Ende auch etwas Gutes gebracht.

Schicksalsschläge verbinden
„Es reicht nur ein Blick. Wir verstehen uns auch ohne Worte.“ sagte uns Nicole Ehms. Die Frau von Torsten Ehms. Beide haben Ende der 1980er Jahre drei Jahre lang auf Gut Lüben gelebt, ohne dass sie sich kannten. Erst 2015, bei dem vergangenen Treffen, lernten sich die beiden kennen und verliebten sich Hals über Kopf ineinander. Nach zwei Wochen kam der Heiratsantrag.

Wenn sich beide an die Zeit im Jugendwerkhof zurück erinnern stehen ihnen die Tränen in den Augen. „Schauen Sie, da oben, das zweite Fenster von links. Dort habe ich mich damals mit zusammengeknoteten Bettlaken aus dem Fenster gehangelt. Ich wollte hier einfach nur weg.“ sagt Nicole Ehms.

Arrestzellen- der Alptraum!
Viele Insassen hatten Fluchtversuche unternommen, so auch der Leipziger Volkmar Jenig. 7 Tage wurde er dafür in eine Arrestzelle gesteckt, 2 x 5 Meter klein. Nur ein winziger Tisch und ein Stuhl standen darin. Das Bett war an der Wand tagsüber angekettet. Kein Blick gelangte nach draußen- die Dachluken ließen die Insassen lediglich erkennen, ob es Tag oder Nacht war. „Ich bin auf und ab gelaufen, wie ein Tiger im Zoo.“ So Volkmar Jenig. Einige der damaligen Zellen sind auf Gut Lüben noch erhalten und können besichtigt werden.

Familienangehörige sind entsetzt
Zu dem Treffen gestern kamen auch die beiden Töchter von Volkmar Jenig mit nach Burg. Die 17-und 18-jährigen Mädchen, Cindy und Corinna sind entsetzt über die Lebensgeschichte ihres Vaters. „Er spricht nicht viel darüber. Aber das einem der Mund und Gedanken verboten wurden, das kann ich nicht verstehen. sagte Cindy. Wenn es danach ginge, würde ich sofort hier landen. Ich sage was ich denke.“ sehr bewegende Worte, die die jungen Erwachsenen uns vor Ort sagten. Die beiden Mädels haben ihren Vater in diesem Jahr zum zweiten Mal begleitet und werden es wohl auch im kommenden Jahr wieder tun.

Auf www.jugendwerkhof-burg.de könnt ihr weitere Infos zu dem ehemaligen Jugendwerkhof in Burg lesen. Dort können sich aber vor allem auch ehemalige Insassen austauschen und kennenlernen.

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Bilder


  • Zwei ehemalige Insassen, die seit ein paar Monaten verheiratet sind. Nicole und Torsten Ehms aus Sömmderda. Quelle: Meetingpoint JL

  • Die winzigen Arrestzellen dieten zur Abschreckung. Quelle: Meetingpoint JL

  • Volkmar Jenig zeigt seinen Töchtern Corinna (links) und Cindy (rechs), wie er früher in dem Jugendwerkhof gelebt hat. Quelle: Meetingpoint JL

  • Etliche Insassen haben sich in der Arrestzellentür verewigt. Quelle: Meetingpoint JL

  • Begehung des ehemaligen Jugendwerkhofes. Quelle: Meetingpoint JL

  • Ehemalige Jugendwerkhof Insassen Torsten Ehms (links) und Volkmar Jenig (rechts) bei der Begehung einer eheamaligen Arrestzelle. Quelle: Meetingpoint JL


Kommentare (1)

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Torsten Ehms schrieb um 22:45 Uhr am 05.06.2016:

Sehr schöner Bericht...