Es war ein Termin voller Zahlen, Baupläne und einer ordentlichen Portion Zuversicht. Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris präsentierte am Mittwoch auf der Neujahrspressekonferenz im Alten Rathaus das Programm in 2026 für die Landeshauptstadt. Trotz einer, wie sie selbst sagt, „angespannten Haushaltssituation“, nimmt die Stadt in diesem Jahr rund 90 Millionen Euro in die Hand. Das Ziel: Dringende Infrastrukturprojekte vorantreiben und Magdeburg moderner, digitaler und sicherer machen.
Magdeburger Ring bald wieder komplett frei
Das Thema, das wohl die meisten Magdeburger im Alltag bewegt, ist der Verkehr. Hier gab es eine klare Ansage zur Entlastung: Der Magdeburger Ring soll ab dem 31. März wieder durchgängig befahren werden können. Die Behelfsbrücken über die Halberstädter Straße gehen in Kürze in den Bau. „Wir waren schnell und sind optimistisch, dieses sportliche Ziel zu erreichen“, betonte die Oberbürgermeisterin. Auch beim Strombrückenzug ist ein Ende in Sicht – Mitte des Jahres sollen die letzten Arbeiten an den Freianlagen und Fernwärmeleitungen abgeschlossen sein.
Fokus Ostelbien und Klimaanpassung
Mit dem Abschluss der Großbaustelle Strombrückenzug rückt der Fokus der Stadtentwicklung massiv nach Ostelbien.
Ein Schwerpunkt liegt auf der ökologischen Aufwertung: Für den Salbker See I starten 2026 die konkreten Planungen zur Sanierung und Revitalisierung, um die Wasserqualität nachhaltig zu verbessern.
Auch das Stadtklima spielt eine zentrale Rolle. Rund 1,74 Millionen Euro fließen in das städtische Baumkonzept zur Nachpflanzung und Pflege von Jungbäumen. Ein sichtbares Zeichen für moderne Klimaanpassung setzt zudem der Bauhof in der Schwiesaustraße, der bis Ende des Jahres für 1,7 Millionen Euro ein Gründach erhält. „Wir verbinden hier Denkmalschutz, Barrierefreiheit und Klimaschutz“, so Borris mit Blick auf Projekte wie den Nicolaiplatz, der am 9. Mai feierlich eröffnet wird.
Sanierungswelle bei Kultur und Sport
Hagen Reum, Betriebsleiter des Kommunalen Gebäudemanagements (KGM), unterstrich die technischen Herausforderungen des Jahres. Während die Stadthalle (103 Mio. Euro Gesamtinvestition) saniert wird, liegt 2026 der Fokus auf dem direkten Umfeld: Die „Event-Plaza“ am Albinmüller-Turm und die Rekonstruktion des historischen Pferdetores sollen bis zum Sommer fertig sein.
Im Sportbereich rückt die GETEC Arena in den Fokus. Damit die Handball-WM 2027 reibungslos über die Bühne gehen kann, wird im Sommer der Sportboden erneuert. Sorgen bereitet hingegen die Elbeschwimmhalle, die wegen statischer Probleme am Dach vorerst gesperrt bleibt. Hier erwartet das KGM bis Ende Januar Klarheit durch weitere Gutachten.
Soziale Verantwortung: Schutz für die Schwächsten
Abseits der großen Infrastrukturprojekte investiert Magdeburg massiv in den sozialen Zusammenhalt. Ein Meilenstein ist die geplante Fertigstellung des neuen Kinderschutzzentrums in der Wilhelm-Kobelt-Straße bis Ende des Jahres. Für rund 5,8 Millionen Euro entsteht hier ein moderner Ort für Krisenintervention und Notunterbringung.
Zudem startet in Olvenstedt der Bau einer intensivpädagogischen Wohngruppe für junge Menschen. Auch das kulturelle Gedächtnis der Stadt wird gesichert: Die Sanierung und Erweiterung des Stadtarchivs (Gesamtvolumen 16,9 Mio. Euro) beginnt, wofür die Einrichtung 2026 an einen Interimsstandort umzieht.
Bildung als finanzieller Schwerpunkt
Hagen Reum verdeutlichte bei der Vorstellung der Zahlen, dass die Bildung der mit Abstand teuerste Posten im städtischen Investitionshaushalt ist. Das Flaggschiff ist dabei der Neubau der IGS am Universitätsplatz, der mit über 70 Mio. Euro zu Buche schlägt und im April Richtfest feiert.
Doch auch in den Stadtteilen gibt es Fortschritte: Während die Sanierung der Förderschule „Hand in Hand“ am Gneisenauring startet, gibt es für ein anderes Projekt endlich grünes Licht. Den Hort-Neubau in der Braunschweiger Straße (Sudenburg) bezeichnete Oberbürgermeisterin Simone Borris fast schon erleichtert als eine „Never-Ending-Story“, die nun im Februar offiziell in die Bauphase geht.
Große Offensive für Feuerwehr und Rettungsdienst
Ein weiteres zentrales Feld der Stadtentwicklung ist die Sicherheit. Laut KGM-Leiter Hagen Reum setzt die Stadt hier konsequent die notwendige Bedarfsplanung um, da viele Bestandsgebäude nicht mehr den modernen Anforderungen entsprechen. In diesem Jahr startet unter anderem der Neubau der Lehrrettungswache in der Peter-Paul-Straße sowie das Großprojekt in Rothensee, wo für rund 16,95 Mio. Euro ein kombinierter Standort für die Freiwillige Feuerwehr und den Rettungsdienst entsteht.
Auch in Olvenstedt am Klinikum und in Ottersleben wird massiv investiert, um sowohl die Einsatzzeiten für die Bürger zu sichern als auch die Arbeitsbedingungen für die Einsatzkräfte zu verbessern.
Moderne Verwaltung und Bürgernähe
Um das Rathaus für die Bürger zugänglicher zu machen, setzt die Stadt auf Digitalisierung. Neue Dokumentenausgabeboxen im Bürgerbüro Mitte erlauben künftig die Passabholung ohne Termin. Besonders innovativ: Bei der Planung des neuen Quartiers „Große Münzstraße“ kommt erstmals Virtual Reality zum Einsatz, damit Bürger die Zukunft der Innenstadt direkt erleben können.
Fazit der Oberbürgermeisterin: „Die Stadtverwaltung geht mit großem Optimismus und einem vollen Programm in das neue Jahr. 2026 wird ein Jahr der sichtbaren Fortschritte, von denen alle Stadtteile profitieren.“
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