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NACHGEFRAGT! Im Interview mit Philipp Stark, Bürgermeister von Burg

Interview
  • Erstellt: 01.01.2026 / 07:03 Uhr von rt/mz
Heute setzen wir unsere Neujahrs-Interview-Reihe im Meetingpoint Jerichower Land fort und begrüßen Philipp Stark, den Bürgermeister der Kreisstadt Burg. Wir sprachen mit ihm über die Entwicklungen in der Stadt der Türme, über persönliche Kraftquellen und die ambitionierten Ziele für das Jahr 2026.


Meetingpoint: Wie lief das Jahr 2025 privat und beruflich für Sie?
Stark: Das Jahr 2025 verging gefühlt noch schneller, als das Jahr 2024. Durch viel Kraftanstrengung konnten wir trotz der weithin finanziell schwierigen Lage, viele Projekte umsetzen und weiter voranbringen. Unser vielseitiges Ehrenamt begeistert mich immer wieder. Ich konnte viele von ihnen im Jahr 2025 kennenlernen. Diese Begegnungen geben mir auch immer wieder die Kraft und Bestätigung mich für unsere Stadt in allen Belangen einzusetzen. Auch in 2026 habe ich weiterhin das Ziel, ein Großteil der Angebote unserer Ehrenamtlichen zu besuchen oder kennenzulernen.

Die Kolleginnen und Kollegen in der Stadtverwaltung Burg machen trotz aller Herausforderungen, eine herausragende Arbeit. Auch Ihnen gilt mein besonderer Dank. Sie alle machen unsere Stadt für viele Menschen zu unserer Heimat. Dankbar bin ich auch für die konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadtrat, die weiterhin auf Augenhöhe passiert.

Ich habe dieses Amt übernommen, weil mir die Entwicklung meiner Heimatstadt eine echte Herzensangelegenheit ist. Deshalb lassen sich für mich berufliches Engagement und persönliche Haltung nicht strikt voneinander trennen. Das bringt mit sich, dass es nicht immer leicht ist, den notwendigen privaten Freiraum bewusst zu nehmen – auch wenn ich weiß, wie wichtig er ist. Um die Frage dennoch offen zu beantworten: Privat hatte ich in diesem Jahr einen schmerzlichen Verlust in der Familie zu verarbeiten. Gleichzeitig kann ich sagen, dass ich weiterhin zufrieden und zuversichtlich bin. Die Zeit mit meiner Familie, meiner Partnerin sowie meinem Freundes- und Bekanntenkreis ist für mich unverzichtbar. Sie gibt mir die Kraft und den Rückhalt, die Aufgaben dieses Amtes mit derselben Überzeugung und demselben Engagement auszufüllen wie am ersten Tag.

Meetingpoint: Welche Herausforderungen mussten Sie in Ihrer Stadt/Gemeinde bestreiten?
Stark: Trotz aktiver Projektarbeit und wichtiger Initiativen stand die Stadt Burg, wie viele Kommunen in Sachsen-Anhalt, vor einer angespannten Haushaltslage mit begrenzten finanziellen Spielräumen, die Prioritäten bei Investitionen erforderte. Vor allem die Notwendigkeit der Fertigstellung der Jahresabschlüsse ist weiterhin eine hohe Belastung für die Haushaltsplanung und die Ressourcen der Kolleginnen und Kollegen. Dank hervorragender Arbeit im Haus und der Unterstützung zahlreicher Sponsoren, grade bei der Sanierung von Spielplätzen und Finanzierung von Veranstaltungen, konnten trotzdem eine Vielzahl von Projekten angeschoben und umgesetzt werden.

Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses Burg schreitet voran, ist aufgrund der Förder- und Vergabebedingungen aber mit hohem Aufwand verbunden. Auch bei der Sanierung des Rathauses stehen wir vor großen Herausforderungen - die Entdeckung das Hausschwammbefalls hat die Sanierung erheblich verlängert und die Kosten erhöht. Auch hier sind wir intensiv mit der Beantragung neuer Fördermittel beschäftigt. Die Entwicklung der Innenstadt erfordert kontinuierlichen Einsatz und Abstimmung mit Gewerbetreibenden & Eigentümern, um Leerstand zu vermeiden und eine attraktive Innenstadt zu sichern. Dazu kommt das Thema Sicherheit und Ordnung, welches wir im neuen Jahr noch intensiver in den Fokus nehmen. Mit dem Abschluss des Campusprojekts haben wir erste Pfähle einschlagen können, aber jetzt gilt es kontinuierlich dran zu bleiben und die gesamtgesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung unter der viele Innenstädte leiden, weiter in eine positive Richtung zu lenken.

Veranstaltungen wie der Tag des offenen Denkmals, Museumsnacht, Kindertag und Adventsweihnacht zeigen, dass die kulturelle und soziale Teilhabe weiterhin ein Schwerpunkt ist, der Engagement und Ressourcen bindet. Die fehlenden Haushaltsmittel haben neben der Durchführung von Veranstaltungen auch direkten Einfluss auf die Vereine und das Ehrenamt gehabt. Nur aufgrund des unermüdlichen Einsatzes der vielen im Ehrenamt tätigen Menschen, die persönliche Zeit und Kraft investiert haben und dank der vielen Sponsoren, war trotzdem so viel möglich. Die Planung und Organisation von Veranstaltungen, egal ob eigene oder fremde, egal ob groß oder klein, stellt uns mit Blick auf die Sicherheit leider immer noch vor große Herausforderungen.

Meetingpoint: Was waren für Sie die Meilensteine in der Stadt/Gemeinde, die Sie 2025 umsetzen konnten?
Stark: Trotz herausfordernder Haushaltslage konnten für die Feuerwehr in Burg und in den Ortschaften wie Ihleburg und Niegripp bedeutende Schritte gesetzt werden: neue Hallen und Fahrzeuge wurden übergeben. Die ersten Meilensteine für die Feuerwehr Burg sind mit Spatenstich und Grundsteinlegung erfolgt. Die Friedhofshalle am Ostfriedhof hat die notwendige Frischezellenkur erhalten. Auch kleinere Projekte wie der Spielplatz in Schartau, in der Innenstadt oder die Wandgestaltung am Spielplatz in der Deichstraße sowie Reparatur- und Sanierungsarbeiten in unseren Grundschulen, Kitas und Horten zeigen, dass wir kontinuierlich an der Zukunft unserer Stadt arbeiten.

Ich durfte in diesem Jahr zahlreiche Unternehmen besuchen, ob zu Jubiläen, Unternehmensstammtischen oder Arbeitsgesprächen, und so die enge Bindung an unsere regionale Wirtschaft weiter pflegen. Die konjunkturelle Entwicklung macht es noch mehr als sonst erforderlich ständig im Austausch zu bleiben. Auch der Spatenstich des neuen Gebäude der Firma Wiedemann zeigt, trotz aller Unkenrufe entwickelt sich die regionale Wirtschaft weiter. In der Innenstadt konnten wir als eines der zentralen Ziele des Campusprojektes die Innenstadtakteure aktivieren und zur Zusammenarbeit untereinander anregen, so dass inzwischen eigeständig Veranstaltungen und Projekte, mit unserer Unterstützung, angeschoben und umgesetzt werden. Dazu gehören gemeinsame Einkaufsaktionen wie die Türchenaktion im Advent, Veranstaltungen, wie das Weinfest oder Mitternachtsshopping, gemeinsame Marketingmaßnahmen oder Sponsoringaktionen.

Die Stadt Burg hat mit einer Vielzahl von kulturellen Höhepunkten zur Lebensqualität beigetragen: Mitternachts- und Kleinfeldturnier, Tag des offenen Denkmals, Museumsnacht, Kindertagsfest und vielfältige Advents- und Weihnachtsmarktaktionen. Hier sieht man Burg lebt und blüht. Mit „Burg radelt mit“ beim STADTRADELN 2025 wurde erneut ein Zeichen für Klimaschutz und gesundheitsorientierte Mobilität gesetzt. Das Radverkehrskonzept für eine nachhaltige und zukunftsfähige Fahrradplanung wurde unter großer Beteiligung erstellt und vom Stadtrat beschlossen. Auch die tourismusorientierte knotenpunktbezogene Wegweisung, die umfassende Beschilderung für Fahrradtouristen, ist umgesetzt. Unser halbjährliches „Burg putzt sich“ hat wieder gezeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger bereit sind für ihre Stadt auch am Wochenende aktiv zu sein. Ebenfalls sind wir am Thema Kommunale Wärmeplanung dran, hier wird es Anfang des Jahres den nächsten Expertenworkshop geben. Die Baumpflanzaktion gemeinsam mit der Volksbank Jerichower Land ist ein weiterer Meilenstein bei der Entwicklung zur „Grünen Stadt der Türme“. Wir sind stolz, dass wir mit der Digitalisierung von Verwaltungsdienstleistungen es den Bürgerinnen und Bürgern zunehmend möglich machen, Behördengänge bequem von zu Hause zu erledigen. Wir haben in 2025 mit zahlreichen Formaten zur Bürgerbeteiligung Maßstäbe gesetzt. Das wollen wir in Zukunft noch weiter ausbauen.

Meetingpoint: Was sind die 5 wichtigsten Ziele für das neue Jahr 2026 in der Stadt/Gemeinde?
Stark: Bereits begonnene Projekte wie das Feuerwehrgerätehaus Burg und das Rathaus sollen weiter vorantrieben werden. Geplante Projekte, u.a. auch mit Fördermitteln, wie das Feuerwehrgerätehaus Ihleburg, die Trauerhalle Reesen, Maßnahmen zum Bevölkerungsschutz, die Oberflächensanierung von Straßen, die Anschaffung von Feuerwehrfahrzeugen, die Anbindung des Gewerbegebietes an die L52 sowie die Sanierung von Schulen und Kitas sollen umgesetzt werden.

Die Intensivierung der Innenstadtentwicklung, z. B. durch Handels- und Gewerbeformate oder Leerstandsmanagement, gemeinsam mit lokalen Akteurinnen und Akteuren sowie weiteren Veranstaltungen in der Innenstadt bleibt zentral. Gleichzeitig nehmen wir Ordnung und Sicherheit noch mehr in den Fokus. Dazu sind wir in intensiven Gesprächen mit der Polizei und dem Ordnungsamt zur Etablierung einer Stadtwache mit direktem Standort am Magdalenenplatz. Auch der Umzug der Verwaltung in die Innenstadt ist weiterhin das Ziel.

Die Entwicklung des Gewerbestandorts Madel ist und bleibt für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zentral. Der Bedarf und die Nachfragen sind da und wir wollen Sie auch in Zukunft bedienen. Das Sondervermögen des Bundes werden wir zielgerichtet in Absprache mit Stadtrat einsetzen. Dabei wollen wir die Mittel so umsetzen, dass sie für die Bürgerinnen und Bürger die größtmögliche Wirkung erzeugen und die regionale Wirtschaft unterstützen. Erhalt und Weiterentwicklung traditioneller Veranstaltungen sowie Initiativen zur sozialen Teilhabe und Integration sind für das gesellschaftliche und kulturelle Leben weiterhin elementar. Dazu gibt es weitere Digitalisierungsangebote. Auch die Haushaltsplanung und Umsetzung der Jahresabschlüsse sind für die Handlungsfähigkeit zentral. Mit den Stadträten werden wir weiter professionell zusammenarbeiten.

Meetingpoint: Was ist Ihre persönliche Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger?
Stark: Ich danke Ihnen für Ihr Engagement, Ihre Ideen und Ihre Teilnahme am kommunalen Leben. Nur gemeinsam können wir Burg weiterhin als lebendige, attraktive und zukunftsfähige Stadt gestalten. Ich lade Sie ein, sich weiterhin aktiv einzubringen – Ihre Perspektiven sind wertvoll für die Zukunft unserer Stadt. Wir stehen vor wichtigen Schritten, etwa bei der Gewerbe- oder der Innenstadtentwicklung sowie Bauvorhaben und Investitionen. Lassen Sie uns diese Herausforderungen gemeinsam anpacken – mit Offenheit, Weitsicht und Zusammenhalt.

Meetingpoint: Auf welchen privaten Moment freuen Sie sich 2026 am meisten?
Stark: Ich freue mich vor allem auf die gemeinsamen, oft unspektakulären Momente mit Familie und Freunden – Zeit, die nicht verplant ist und Raum für Gespräche, Lachen und Nähe lässt. Gerade diese Augenblicke geben mir Kraft und Ausgleich.

Bilder

Foto: Stadt Burg
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